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Die Handschrift der Weihnachtsgeschichte

Geschrieben von Daniel Thieme am 21. Dezember 2018

Die hell erleuchtete Kirche an Heiligabend, die Bescherung oder das traditionelle Weihnachtsessen, für Carolin Schröder lebt an Weihnachten die Erinnerung an ihre Großeltern auf. Seit der frühen Kindheit nahm die Oma sie mit zur Christvesper. Kaum konnte sie lesen und schreiben, durfte Carolin Schröder endlich selbst am Krippenspiel teilnehmen. Seit 20 Jahren hat sie es nur einmal verpasst, als Weise aus dem Morgenland, Maria oder Erzählerin dabei zu sein. Und auch in diesem Jahr hilft die 27-jährige wieder mit, dass die Weihnachtsgeschichte in der Gröbener Kirche lebendig wird. Ihre Gedanken sind dabei noch heute bei den Großeltern.

Schreiben als Erinnerung

Ihre Weihnachtsremineszenz führte Carolin Schröder vor kurzem zu einem Projekt der Evangelischen Kirche in der Region Nördliches Zeitz. Pfarrerin Friederike Rohr suchte Menschen, die das Lukasevangelium der Bibel von Hand abschreiben. Beim Verteilen der 145 Abschnitte fragte die Pfarrerin auch bei Carolin Schröder nach. Die wusste sofort, welchen Text sie abschreiben würde, denn das Lukasevangelium erzählt von der Geburt Jesu.

Mit blauer Tinte, in schönster Handschrift geschrieben, liegt die Weihnachtsgeschichte fertig auf dem Tisch. Die dünnen Bleistiftstriche für Rand und Linien sind noch zu erkennen. Damit die Schrift gleichmäßig aussieht, übte Carolin Schröder vor der Reinschrift mehrere Male. In ihrem Beruf bräuchte es eigentlich überhaupt keine Handschrift mehr, denn die Informatikerin verbringt ihren Arbeitstag normalerweise am Computer. „Mit meiner Handschrift schaffe ich etwas Unverwechselbares. Es kann nicht so leicht gelöscht werden wie eine Datei auf dem Computer,“ sagt die Schreiberin.

Die Weihnachtsgeschichte wird farbig

Demnächst schmücken noch einige Illustration die handgeschriebene Weihnachtsgeschichte. Die Gestaltungsideen kamen Carolin Schröder, als sie einzelnen Buchstaben und Wörter hochkonzentriert niederschrieb. Sie denkt an den Stern, der den Weisen aus dem Morgenland den Weg zeigt oder die Hirten, denen auf dem Feld die Geburt Jesu verkündet wird. Besonders berührt ist sie allerdings von Maria und Joseph, die am Ende einer langen Reise in Bethlehem eine Herberge suchen. Nachdem sie mehrfach abgewiesen werden, finden sie Platz in einem Stall, wo Maria das Jesuskind zur Welt bringt. „Die Botschaft von Weihnachten ist für mich eine Geschichte der Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit,“ findet die junge Frau.

Pfarrerin Friederike Rohr hört es gern, wenn ihr Handschriftenprojekt zum Nachdenken über biblische Texte anregt. Das Verteilen der einzelnen Abschnitte begann im Sommer. Seitdem schrieben und malten Kindergruppen, Schulklassen, Seniorenkreise und Einzelpersonen Abschnitte des Lukasevangeliums. Mitte des nächsten Jahres werden sie zu einem kreativen Bibelbuch zusammengeführt und gedruckt. Carolin Schröder könnte dann eine neue Tradition beginnen und nächstes Weihnachten aus ihrer handgeschrieben Weihnachtsgeschichte vorlesen.

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